
Wer vorbeikam, und es kamen viele, gleich in der ersten Woche rund fünfzig, konnte sich an Demo-Stationen die ePA, den TI-Messenger oder die GesundheitsID erklären lassen. Nicht mit einer Broschüre. Mit einem Tablet in der Hand und jemandem, der sich auskennt, daneben.
Der TI-Pop-Up-Store war von August bis Ende November 2025 geöffnet, montags bis freitags von 10:30 bis 18:00 Uhr. Betreut wurde er durchgehend von einem festen Beratungsteam von Awesome Technologies. Konzept, Idee und Organisation kamen aus Würzburg, von uns.
Als Sponsoren standen CHERRY Digital Health und die concat AG hinter dem Laden. Unterstützt haben uns außerdem die Stadt Würzburg (Wirtschaft, Wissenschaft und Standortmarketing), Bayern Innovativ mit dem Projekt Health Care BY Your Side aus der TI-Modellregion Franken sowie das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention. Die Stadt kam dabei mit einem doppelten Interesse: einen Leerstand in der Innenstadt zu beleben und gleichzeitig ein neues Format zu testen.
Stehenbleiben können, ohne sich blamieren zu müssen.
Die meisten Menschen, die zum ersten Mal vom Begriff „Telematikinfrastruktur" hören, gehen sofort weiter. Es klingt nach einer Behörde. Der ganze Punkt des Pop-Up-Stores war: stehenbleiben können, ohne sich blamieren zu müssen. Wer hereinkam, musste nichts wissen.
Vier Formate, die wir kombiniert haben
Bürger:innen-Beratung am offenen Tisch
Wer eine konkrete Frage hatte, „Wie richte ich eine ePA ein?", „Was ist mit meinen Daten?", bekam zehn Minuten Begleitung. Die ePA-Einrichtung haben wir kostenfrei angeboten, und es ist erstaunlich, wie häufig genau das der eigentliche Grund für den Besuch war.
Workshops und Vorträge für Fachpublikum
Niedergelassene Ärzt:innen, MFA, Apotheker:innen, Pflegekräfte. Am 10. September 2025 war Timo Frank von der gematik bei uns, Stabsstelle Versorgung, und hat erklärt, wie die TI aktuell aufgestellt ist. Online-Teilnahme war möglich, der Saal war voll.
Demo-Stationen zum Selbstausprobieren
TI-Messenger live, ePA-Onboarding zum Mitlaufen, GesundheitsID-Anmeldung. Nicht erklären, sondern machen lassen.
Niedrigschwellige Termin-Formate
Lunch & Learn mittags, Kaffeepause am Nachmittag, Feierabend-Talk abends, angepasst an die Arbeitsrhythmen derer, die wir erreichen wollten. Eine Apothekerin in der Mittagspause hat andere Anforderungen als ein Klinik-Geschäftsführer am Abend.
Drei Geschichten aus vier Monaten.
Manche Stimmen sind öffentlich nachzulesen. Besucherin Heidrun Roth sagt in der gematik-Webstory über den Laden: „Die Beratung war sehr professionell und bei unwissenden Kunden sehr geduldig." Drei weitere Geschichten haben wir aus dem Ladenalltag mitgebracht.
Eine ältere Dame kam nicht nur für sich selbst: Sie ließ sich die ePA in Ruhe erklären, stellte Fragen, machte sich Notizen und sammelte Informationen gleich für die ganze Familie. So wandert eine Beratung über den Küchentisch weiter, auch zu denen, die selbst nie in einen solchen Laden gegangen wären. Genau diese Multiplikation an vertrauten Orten beschreibt die Forschung zu aufsuchenden Angeboten; bei uns stand sie leibhaftig im Laden.
Ein junges Paar kam mit einer Frage, die wir so nicht auf dem Zettel hatten: Wie richten wir die ePA für unser Kleinkind ein, und wer darf da eigentlich hineinschauen? Aus einem kurzen Stopp wurde ein Gespräch über die Kinder-ePA, Vertretungsrechte und die Frage, welche Dokumente dort künftig landen. Für uns war das ein schöner Beleg: Die ePA ist kein Thema nur für Ältere. Sie beginnt bei den Jüngsten, und junge Eltern gehören zu den aufmerksamsten Nutzergruppen.
Mehr als einmal standen Informatiker im Laden, die es genau wissen wollten: Wie ist die ePA verschlüsselt, wer kann was einsehen, wo liegen die Protokolle? Das waren die anspruchsvollsten Gespräche der ganzen Laufzeit, und die ehrlichsten. Wir haben nichts schöngeredet, sondern die Architektur gezeigt, die Schutzmechanismen erklärt und offen benannt, wo berechtigte Diskussionen laufen. Manche richteten am Ende ihre ePA ein, andere nahmen offene Punkte mit. Beides ist in Ordnung: Wer kritisch fragt, nimmt das Thema ernst.

Nachlesen und nachschauen
- gematik-Webstory „TI zum Anfassen in Bayern" (21.10.2025)
- BR24: „Pop-up-Store in Würzburg klärt über E-Patientenakte auf"
- TV Mainfranken: Videobeitrag zur Eröffnung (12.08.2025)
- Stadt Würzburg: „Digitalisierungsschub in der Gesundheitsbranche"
- Mainfranken24: „Pop-Up-Store informiert über E-Patientenakte" (01.08.2025)
Was bleibt, und was wir wissen wollten.
Der Pop-Up-Store ist seit Ende November 2025 geschlossen. Was bleibt, sind drei Dinge.
Erstens: ein Format, das funktioniert
Wir wissen jetzt aus Erfahrung, wie sich digitale Gesundheitsanwendungen bürgernah vermitteln lassen, und dass Innenstadt-Präsenz, niedrige Eingangsschwelle und persönliche Begleitung der entscheidende Hebel sind. Das ist ein Vorgehen, das sich auf andere fränkische Städte übertragen lässt. Ob, wann und wo wir das nächste Mal einen Pop-Up-Store machen, kommunizieren wir, sobald es konkret ist.
Zweitens: ein paar Mit-Erkenntnisse, die wir nicht erwartet hatten
- Die ePA-Einrichtungs-Beratung war der häufigste konkrete Anlass für einen Besuch. Wir hatten den TI-Messenger als Schwerpunkt geplant, die ePA hat uns überholt.
- Die Berufs-Mischung war breiter als gedacht. Geplant waren Ärzt:innen und MFA, gekommen sind auch Hebammen, Physiotherapeut:innen, Hörakustiker:innen, Gesundheitshandwerk und sehr viele Bürger:innen mit ihrer eigenen Gesundheits-Frage.
- Vor-Ort-Beratung schlägt Webinar um Längen. Wer eine halbe Stunde mit einer Sache verbringt, die er anfassen darf, versteht sie. Wer einem Webinar zuhört, oft nicht.
Drittens: Gespräche, die jetzt weitergehen
Vom Pop-Up-Store sind Vor-Ort-Termine in Würzburger Praxen, Apotheken und Pflegeeinrichtungen entstanden, die noch laufen. Das ist die langsame, persönliche Adoption, nicht spektakulär, aber tragfähig.
Ein Laden ist kein Bauchgefühl.
Dass ausgerechnet ein Ladengeschäft digitale Gesundheitskompetenz aufbaut, klingt zunächst nach einer netten Idee. Tatsächlich steht hinter dem Format ein konsistenter Forschungsstand aus Gesundheitswissenschaft, Psychologie und Handelsforschung. Der Ausgangsbefund: Rund drei Viertel der Bevölkerung haben eine geringe digitale Gesundheitskompetenz.1, 2 Über 90 Prozent kennen die ePA3, aber nur ein Bruchteil nutzt sie aktiv, weil Hürden wie GesundheitsID und PIN-Verfahren den ersten Schritt blockieren.4 Das Problem ist also kein Mangel an Information, sondern der Schritt vom Kennen zum Können. Vier Prinzipien machen einen Laden genau dafür zum richtigen Werkzeug.
Begleitetes Tun statt Erklären
Eigene Erfolgserfahrungen sind die stärkste Quelle von Selbstwirksamkeit. Das ist seit Bandura Lehrbuchwissen.5 Für digitale Gesundheitsdienste heißt das: Über die Akzeptanz entscheidet nicht IT-Wissen, sondern erlebter persönlicher Nutzen.6 Die Forschung zu „warm experts" belegt zudem geduldige persönliche Begleitung als zentralen Aneignungsweg.7 Genau das war unser Setting: ein Tablet in der Hand und jemand daneben, der sich auskennt.
Gelegenheitszugang statt Kursanmeldung
Kurse, Hotlines und Broschüren erreichen vor allem die ohnehin Motivierten. Ein Laden an einem Alltagsort mit hoher Passantenfrequenz erreicht die Vorbeikommenden: ohne Anmeldung, ohne Termin, ohne Vorkenntnisse. Die Forschung zu aufsuchenden Angeboten zeigt, dass so auch Menschen den Weg finden, die ein Kursangebot nie buchen würden.8
Handelsmechanik für Gesundheitsziele
Der Laden verkauft nichts, aber er nutzt, was der Handel über Menschen weiß. Social Marketing überträgt Marketingprinzipien seit den 1970er-Jahren nachweislich wirksam auf Gesundheitsverhalten.9, 10 Die Diffusionsforschung benennt Erprobbarkeit und Beobachtbarkeit als zentrale Treiber dafür, dass Neuerungen angenommen werden.11 Ein Mitmach-Laden stellt beides räumlich her: ausprobieren am eigenen Gerät, zuschauen an der Demo-Station.
Zeit für Prozesse, die Tage brauchen
Eine ePA-Einrichtung ist selten in einem Besuch erledigt: GesundheitsID beantragen, auf den PIN-Brief der Kasse warten, wiederkommen, abschließen.4 Tagesaktionen scheitern strukturell an diesem Rhythmus, eine mehrwöchige Präsenz am selben Ort trägt ihn. Die kommunizierte Befristung („der Laden ist nur für ein paar Monate hier") wirkt dabei als Besuchsanlass und Gesprächsstoff, ein Effekt, den die Pop-up-Forschung im Handel gut beschreibt.12, 13, 14
Dass die Mechanik trägt, zeigt sich auch anderswo: Ein 28-tägiger Pop-up-Shop zur Gesundheitskompetenz in einem der meistbesuchten britischen Einkaufszentren erreichte knapp 5.000 Besucherinnen und Besucher, mit messbaren Wissens- und Einstellungsgewinnen.15 Der Hamburger Gesundheitskiosk belegt für Deutschland, dass eine niedrigschwellige Laden-Anlaufstelle den Zugang gerade sozial benachteiligter Gruppen verbessert; der Innovationsausschuss empfahl das Modell zur Überführung in die Regelversorgung.16 Und die Handelsforschung empfiehlt Kommunen ausdrücklich, Leerstand als Versuchsraum zu nutzen.17 Ein Gesundheitsladen im Leerstand verbindet damit drei Ziele auf einer Fläche: Gesundheitskompetenz, Teilhabe und eine belebte Innenstadt.
Quellen
- Schaeffer, D. et al. (2021): Health Literacy Survey Germany (HLS-GER 2). Das Gesundheitswesen. doi.org/10.1055/a-1670-7636
- Schaeffer, D. et al. (2025): Factsheet HLS-GER 3. Interdisziplinäres Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung, Universität Bielefeld.
- Bundesministerium für Gesundheit (2025): Informationskampagne „ePA? Na sicher!". Pressemitteilung vom 01.12.2025, mit Bevölkerungsumfrage der INFO GmbH (08/2025).
- gematik (2026): Ein Jahr „ePA für alle". Meldung vom 15.04.2026.
- Bandura, A. (1997): Self-Efficacy: The Exercise of Control. New York: W. H. Freeman.
- Doh, M. (2023): Akzeptanz digitaler Gesundheitsdienste im Alter. Das Gesundheitswesen 85, 804–805. doi.org/10.1055/s-0043-1770582
- Martínez, C.; Olsson, T. (2022): The warm expert, a warm teacher? Convergence 28(6). doi.org/10.1177/13548565211070409
- Welch, V. et al. (2023): Realist review of community coalitions and outreach interventions. Archives of Public Health 81:115. doi.org/10.1186/s13690-023-01105-3
- Kotler, P.; Zaltman, G. (1971): Social Marketing. Journal of Marketing 35(3), 3–12.
- Stead, M. et al. (2007): A systematic review of social marketing effectiveness. Health Education 107(2).
- Rogers, E. M. (2003): Diffusion of Innovations. 5. Auflage. New York: Free Press.
- Warnaby, G. et al. (2015): Pop-up retailing. Journal of Global Fashion Marketing 6(4), 303–316.
- Henkel, L.; Toporowski, W. (2023): Once they've been there, they like to share. Journal of the Academy of Marketing Science 51(6), 1284–1304.
- Klein, J. F. et al. (2016): Linking pop-up brand stores to brand experience and word of mouth. Journal of Business Research 69(12), 5761–5767.
- Eberl, M. et al. (2026): Impact of a large-scale interactive and immersive science pop-up shop about infection and hygiene on visitors and volunteers. Frontiers in Public Health 14:1812530. doi.org/10.3389/fpubh.2026.1812530
- Wild, E.-M. et al. / Hamburg Center for Health Economics (2021): Ergebnisbericht INVEST Billstedt/Horn. Universität Hamburg. G-BA-Innovationsausschuss: Empfehlung zur Überführung in die Regelversorgung, 02/2022.
- IFH Köln (2024): Vitale Innenstädte 2024.
Digitale Gesundheitskompetenz ist keine Kür.
Digitale Gesundheitskompetenz heißt: Gesundheitsinformationen und -anwendungen digital finden, verstehen, bewerten und tatsächlich anwenden können.18, 19 Diese Fähigkeit entscheidet zunehmend über drei Dinge.
Über Sicherheit
Medikationsliste und Befundzugriff in der ePA können Wechselwirkungen, Doppelverordnungen und Informationsbrüche nur verhindern, wenn Menschen ihre Akte kennen, führen und im Behandlungsalltag einsetzen. Empirisch gilt: Wer digital gesundheitskompetent ist, nutzt Patientenportale und elektronische Akten deutlich eher, gerade im Alter und bei chronischer Erkrankung.20
Über Zugang
Die ePA-App soll nach den aktuellen Gesetzesplänen zum digitalen Versorgungseinstieg werden, mit Terminbuchung, Ersteinschätzung und elektronischer Überweisung.21 Dann entscheidet digitale Gesundheitskompetenz mit über den Zugang zur Versorgung. Ohne Befähigungsangebote blieben genau die Gruppen außen vor, die heute schon die größten Hürden haben.
Über den Nutzen der Infrastruktur
Rund 70 Millionen Akten sind angelegt, solidarisch finanziert.4 Diesen Wert hebt erst die kompetente Nutzung. Befähigung ist deshalb kein weiches Zusatzthema, sondern die Bedingung dafür, dass die Investition wirkt.
Und der Laden? Er setzt genau dort an, wo Kampagnen und Broschüren aufhören: an der Handlungsdimension. Wer im Store die eigene GesundheitsID eingerichtet, die ePA geöffnet und ein E-Rezept gesehen hat, hat nicht nur etwas erfahren, sondern etwas gekonnt. Dieses Können bleibt, wandert in Familien weiter und senkt die Schwelle für alles, was digital noch kommt.
Quellen
- Norman, C. D.; Skinner, H. A. (2006): eHealth Literacy: Essential Skills for Consumer Health in a Networked World. Journal of Medical Internet Research 8(2):e9.
- van der Vaart, R.; Drossaert, C. (2017): Development of the Digital Health Literacy Instrument (DHLI). Journal of Medical Internet Research 19(1):e27. doi.org/10.2196/jmir.6709
- Price-Haywood, E. G. et al. (2017): eHealth Literacy: Patient Engagement in Identifying Strategies to Encourage Use of Patient Portals Among Older Adults. Population Health Management 20(6), 486–494. doi.org/10.1089/pop.2016.0164
- Bundesministerium für Gesundheit (2026): Referentenentwurf eines Gesetzes für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG), April 2026.
Die Modellregion drumherum.
Der Pop-Up-Store ist Teil eines größeren Vorgehens. Würzburg ist nicht nur unser Heimatort, Stadt und Landkreis mit zusammen rund 1.050 Leistungserbringern sind die richtige Größenordnung, um die TI-Aktivierung im realen Versorgungs-Alltag systematisch durchzuführen. Wir sind als einziger TI-Messenger-Hersteller in Franken ansässig; das ist ein struktureller Vorteil, den Berlin, Hamburg oder Darmstadt nicht erreichen.
Parallel zur Pop-Up-Store-Schiene laufen die persönlichen Vor-Ort-Termine mit Praxen, Pflegeträgern und Klinik-IT in der Region. Mit einigen Würzburger Institutionen arbeiten wir intensiver zusammen, die nennen wir, sobald die jeweiligen Vereinbarungen das zulassen. Außerdem hat unser Team mit Studierenden der THWS in sieben Projekten 2025 untersucht, was im realen Kommunikations-Verhalten von Praxen, Kliniken und Pflegekräften wirklich passiert.
Mehr zum methodischen Hintergrund unter /innovation/Im Juni eine Idee, im August ein offener Laden.
Diese Seite steht nicht zufällig im Innovationsbereich. Der Pop-Up-Store ist für uns beides: ein Beitrag zur digitalen Gesundheitskompetenz der Region und ein Beleg dafür, wie wir arbeiten. Zwischen der ersten Idee im Juni 2025 und der Eröffnung Anfang August lagen wenige Wochen. In dieser Zeit: Konzept geschärft, Sponsoren gewonnen, Fläche gefunden, Laden ausgebaut, Veranstaltungsreihe geplant, Team vorbereitet. Einfach machen, und zwar solide: mit geschultem Beratungsteam, verlässlichen Öffnungszeiten über die gesamte Laufzeit und einem Programm, das vom ersten Tag an stand.
Genauso wichtig wie das Tempo ist die Wiederholbarkeit. Aufbau, Formate, Materialien und Abläufe sind dokumentiert; die Mit-Erkenntnisse weiter oben sind das ehrliche Protokoll aus vier Monaten Ladenbetrieb. Ein solches Konzept lässt sich erneut auflegen, in Würzburg wie in anderen Städten, und wird mit jeder Runde besser. Schnell anfangen, ehrlich auswerten, sauber wiederholen: Es ist derselbe Dreiklang, mit dem wir auch unsere Produkte entwickeln.
Wie wir Innovationsprojekte angehenWarum Würzburg? Wenige Städte sind so dicht versorgt.
Das Format ließe sich in vielen Städten aufbauen. Würzburg bringt aber eine Kombination mit, die selten ist: eine der höchsten Versorgungsdichten Deutschlands auf einer kompakten, fußläufigen Innenstadtfläche.
Die Stadt gehört laut Bundesarztregister bundesweit zur Spitzengruppe bei der Hausarztdichte22 und lag zuletzt bei der Kinderarztdichte an erster Stelle der deutschen Großstädte23. Dazu kommen die Universitätsmedizin als Maximalversorger, eine dichte Apotheken- und Praxislandschaft und, zusammen mit dem Landkreis, rund 1.050 Leistungserbringer in einem zusammenhängenden Versorgungsraum. Auf der anderen Seite der Ladentheke: eine Universitätsstadt mit jungem Publikum und ein Umland, das deutlich älter ist. Beide Zielgruppen der Digitalisierung treffen hier auf engem Raum zusammen.
Für ein Format, das vom Weiterschicken lebt, ist diese Dichte der entscheidende Standortfaktor. Der im Pilot dokumentierte Zuweisungseffekt (Praxen und Apotheken schickten Menschen mit ihrer Frage direkt in den Laden) funktioniert nur dort, wo die Wege kurz sind und die Akteure einander kennen. Und die Stadt profitiert doppelt: Ein belebter Leerstand in guter Lage ist Stadtentwicklung, ein offener Ort für Gesundheitsfragen ist Daseinsvorsorge. Dass Wirtschaft, Wissenschaft und Standortmarketing der Stadt Würzburg das Projekt 2025 unterstützt haben, kam nicht von ungefähr. Für eine Fortsetzung des Formats gibt es kaum einen besser geeigneten Ort.
Quellen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Bundesarztregister, Stand 31.12.2024 (Hausarztdichte; Bericht bei inFranken.de, 03/2025).
- Verivox (2025): Analyse zur Kinderärzte-Dichte in deutschen Großstädten (Bericht bei Radio Gong Würzburg, 07/2025).
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