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Versorgungsforschung · G-BA-Innovationsfonds · Herzinsuffizienz

PeriOP-CARE HF: Universitätsmedizin-Konsortium gegen ein unterschätztes OP-Risiko.

Ein vom G-BA-Innovationsfonds mit rund 4,5 Mio. Euro gefördertes Versorgungsforschungs-Projekt unter Konsortialführung der Justus-Liebig-Universität Gießen. Awesome Technologies ist einer von zwei Industriepartnern in einem Konsortium aus sechs Universitätskliniken und der BARMER.

// 01 · Antwortblock

PeriOP-CARE HF in zwei Sätzen.

PeriOP-CARE HF ist ein vom G-BA-Innovationsfonds mit rund 4,5 Millionen Euro gefördertes Versorgungsforschungs-Projekt unter Konsortialführung der Justus-Liebig-Universität Gießen, das in einer multizentrischen randomisierten Studie mit 1.094 Teilnehmenden über 65 Jahren prüft, ob eine intersektorale Versorgungsform mit interdisziplinärer Perioperativer-Medizin-Konferenz und ambulanter Weiterbehandlung das Komplikationsrisiko nach nicht-herzchirurgischen Operationen bei erhöhtem Herzinsuffizienz-Risiko senkt.

Awesome Technologies ist im Konsortium einer der Industriepartner, neben einem zweiten Industriepartner, fünf weiteren Studienzentren der Universitätsmedizin und der BARMER für die gesundheitsökonomische Evaluation.

Förderkennzeichen
01NVF22109
ClinicalTrials.gov
NCT06381427
Förderzeitraum
03/2024, 02/2028 (48 Monate)
Projektwebsite
periop-carehf.de
// 02 · Aufgabenstellung im klinischen Kontext

Eine unerkannte Herzschwäche ist ein eigenständiger OP-Risikofaktor.

Herzinsuffizienz zählt zu den zehn häufigsten Todesursachen in Deutschland. Bis zu drei Millionen Menschen leben mit einer chronischen Herzinsuffizienz, jährlich versterben rund 35.000 an den Folgen einer Herzschwäche. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, und viele Betroffene wissen gar nicht um ihre Herzschwäche, weil sie nicht diagnostiziert wurde.

Für ältere Patientinnen und Patienten, die sich einer nicht-herzchirurgischen Operation unterziehen müssen, ist eine unerkannte oder unzureichend behandelte Herzinsuffizienz ein eigenständiger Risikofaktor für postoperative Komplikationen, von verlängerten Krankenhausaufenthalten über Wiederaufnahmen bis hin zu schwerwiegenden kardialen Ereignissen.

Die Standardversorgung adressiert dieses Risiko bisher nicht systematisch. Vor- und Nachsorge laufen oft sektorengetrennt: Der Hausarzt sieht die Patientin nicht in der Operationsplanung, die operierende Klinik sieht den ambulanten Verlauf nicht. Genau in diese Lücke setzt PeriOP-CARE HF ein neues, sektorenübergreifendes Versorgungs-Konzept.

// 03 · Die neue Versorgungsform

Fünf Bausteine: von der Risikoidentifizierung bis in die ambulante Versorgung.

1

Risikoidentifizierung vor der OP

Bei Patient:innen ab 65 Jahren wird vor einer geplanten nicht-herzchirurgischen Operation das individuelle Risiko ermittelt, über körperliche Untersuchung, NT-proBNP-Bestimmung (Schwellenwert 450 pg/ml) und echokardiographische Diagnostik. Bei Überschreitung der Risikoschwelle erfolgt Studieneinschluss und Randomisierung in Standard- oder Interventionsgruppe.

2

Interdisziplinäre Konferenz im interventionellen Arm

Bei erhöhtem Risiko wird der Fall in einer Perioperativen-Management-Konferenz besprochen, mit Anästhesiologie, Kardiologie, dem operierenden Fachgebiet, bei Bedarf einem psychosomatischen Facharzt sowie den niedergelassenen Kolleg:innen. Die Konferenz findet als Blended Meeting statt, mit Präsenz- oder Online-Teilnahme, Letztere gerade für die niedergelassenen Ärzt:innen. Entschieden wird über eine von drei Optionen: Operation wie geplant, Verschiebung zur weiteren Vorbereitung oder Absage zugunsten einer konservativen Behandlung.

3

Individualisierte hämodynamische Steuerung während der OP

Im interventionellen Arm wird intraoperativ auf eine stabile Herz-Kreislauf-Situation geachtet: kontinuierliche Blutdruck-Messung ab der Narkoseeinleitung und eine zielgerichtete, am Herzzeitvolumen orientierte Therapie, um kritische Blutdruckabfälle zu vermeiden, Belastungen, für die Patient:innen mit Herzschwäche besonders anfällig sind.

4

Tägliche postoperative Visiten durch spezialisiertes Team

Nach dem Eingriff finden tägliche Visiten durch ein spezialisiertes Team aus Fachärzt:innen und „Heart-Failure-Nurses" statt, einer in der internationalen Kardiologie etablierten Spezialisierungs-Rolle.

5

Sektorenübergreifende Begleitung bis in die ambulante Versorgung

Hausärztliche Praxen sind eingebunden, Institut für Hausärztliche Medizin Gießen und ÄNGie-Ärztenetz Kreis Gießen e.V. als kooperierende Partner. Diese Brücke zwischen stationärer und ambulanter Versorgung ist das methodisch Innovative, und ohne sektorübergreifende digitale Kommunikations-Infrastruktur nicht skalierbar.

Studiendesign

Typ
Multizentrisch, prospektiv, randomisiert, kontrolliert
Teilnehmende
1.094
Bundesländer
BY, BE, HH, HE, MV, NRW
Gesundheitsökonomie
BARMER · Prof. Greiner, Uni Bielefeld
// 04 · Studienzentren und Partner

Konsortialführung, sechs Studienzentren, zehn Partner.

Die offizielle Projektwebsite gliedert die Beteiligten in drei Kategorien, diese Strukturierung übernehmen wir eins zu eins.

Konsortialführung & Studienzentrum

Justus-Liebig-Universität Gießen

Univ.-Prof. Dr. Michael Sander, Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie
Univ.-Prof. Dr. Birgit Aßmus, Med. Klinik I, Kardiologie / Angiologie
Studienzentren 5 weitere
Charité Berlin
Campus Benjamin Franklin · Treskatsch / Landmesser
Universitätsklinikum Würzburg
DZHI: Störk · Med. Klinik I: Frantz
UKE Hamburg-Eppendorf
Anästhesie: Saugel · Kardiologie: Neumann
Universitätsmedizin Rostock
Anästhesie: Reuter · Kardiologie: Ince
Marien Hospital Herne
UK der Ruhr-Universität Bochum · Frey / Ukena
Partner 10
UK Würzburg, ZKSZentrale für Klinische Studien
Uni Würzburg, IKE-BKlin. Epidemiologie & Biometrie
BARMERGesundheitsökonomische Evaluation
Vandage GmbHIndustriepartner
Awesome TechnologiesIndustriepartner
Universität BielefeldGesundheitsökonomie · Greiner
JLU Gießen, PsychosomatikKruse
Institut Hausärztl. Medizin GießenKreuder
ÄNGie Ärztenetz Kreis Gießen e.V.hausärztl.-fachärztl. Netzwerk
Deutsche Herzstiftung e.V.Patientenorganisation
Hinweis zur Listen-Logik G-BA vs. Projektwebsite: Der G-BA-Eintrag listet die Förder-Vertragspartner (neun Konsortialpartner als juristische Empfänger, darunter die St. Elisabeth Gruppe GmbH als Trägerin des Marien Hospital Herne). Die Projektwebsite gliedert nach operativer Rolle (Konsortialführung, Studienzentrum, Partner). Beide Sichten sind komplementär, diese Seite folgt der projekt-eigenen Außenkommunikation.
// 05 · Die Rolle von Awesome Technologies

Industriepartner für die sektorübergreifende Infrastruktur.

Awesome Technologies ist in der offiziellen Projekt-Außenkommunikation als Industriepartner geführt, gemeinsam mit der Vandage GmbH. Diese Rolle ergänzt das klinische Studien-Konsortium um die technische und prozessuale Substanz, die eine sektorenübergreifende Versorgungsforschung benötigt: digitale Werkzeuge, Daten-Infrastruktur und Workflow-Unterstützung für Konferenz-Formate und sektorübergreifenden Informations-Austausch.

Die konkrete Aufgabenteilung zwischen den Konsortialpartnern folgt dem Förder-Konsortialvertrag und ist nicht Gegenstand öffentlicher Außenkommunikation.

Was sich aus der Versorgungsform-Logik öffentlich ableiten lässt: Eine multizentrische Studie mit sechs Studienzentren, einer interdisziplinären Konferenz pro Risiko-Patient:in und expliziter Einbindung niedergelassener Hausarzt-Praxen ist ohne eine technische Brücke zwischen Sektoren und Standorten nicht durchführbar. Hier sehen wir den Anschluss zur AMP Telekonsil-Plattform auf HAPI-FHIR-Basis, fall-basierte, sektorübergreifende Konsile mit strukturierter Datenbasis.

Die spezifische technische Architektur und der Beitrag der einzelnen Industriepartner zur Studien-Infrastruktur werden in der Studienlaufzeit weiterentwickelt, die Substanz dazu folgt in einer aktualisierten Version dieser Projektseite ab 2027, nach Abstimmung mit der Konsortialführung Gießen.

// 06 · Status und nächste Schritte

Laufendes Projekt, Studieneinschluss aktiv.

Status (Stand 25.05.2026): Laufendes Projekt, Förderzeitraum 03/2024 bis 02/2028. Studieneinschluss aktiv, Rekrutierung an den sechs Studienzentren in Berlin, Gießen, Hamburg, Herne, Rostock und Würzburg läuft.

Nächste Meilensteine (öffentlich bekannt)

  • Fortlaufender Patient:innen-Einschluss bis zur geplanten Studienpopulation von 1.094 Teilnehmenden
  • Zwischenauswertungen gemäß Studienprotokoll (Details: ClinicalTrials.gov NCT06381427)
  • Gesundheitsökonomische Auswertung gemeinsam mit BARMER und Universität Bielefeld

Skalierungs-Perspektive: Wenn die neue Versorgungsform zeigt, dass sie das Komplikationsrisiko senkt und damit Krankenhausaufenthalte verkürzt und Wiedereinlieferungen verringert, ist der Weg in die Regelversorgung der zweite zentrale Schritt, ein Pfad, der über G-BA-Verfahren zu §-140a-Selektivverträgen oder Aufnahme in die Regelversorgung führen kann.

// 07 · Was bedeutet das für uns

Ein Beleg in drei Hinsichten.

Industriepartner in einem Universitätsmedizin-Konsortium der G-BA-Förderung

Universitätsklinika wählen in mehrjährig laufenden Innovationsfonds-Studien sehr selten Industriepartner aus, die Beteiligung an einem Konsortium mit Charité, UKE, UK Würzburg und Universitätsmedizin Rostock ist ein eigenständiger Beleg für die Reife der unsere Substanz im klinischen Versorgungs-Kontext.

Kostenträger-Anschluss über die BARMER

Die direkte Konsortialbeteiligung einer großen gesetzlichen Krankenkasse, verantwortlich für die gesundheitsökonomische Evaluation, ist eine Brücke zwischen technischer Plattform und Erstattungs-Logik, die in reinen B2B-Industrieprojekten typischerweise fehlt.

Anschlussfähigkeit an Versorgungs-Skalierung

Wenn die Versorgungsform in die Regelversorgung skaliert, ist die zugrundeliegende digitale Infrastruktur, fall-basiertes Konsil-Werkzeug auf FHIR-Basis, bereits im Feld erprobt und nicht erst zu bauen.

Weitere Telekonsil-Belege unter /loesung/#telekonsil
// 08 · Methodisches Muster

Welcher Use-Case ist das?

PeriOP-CARE HF instanziiert das Use-Case-Muster „Sektorenübergreifende Konsil-Konferenz mit ambulanter Weiterbehandlung", der gleiche strukturelle Workflow, der Telekonsile in der Onkologie (Tumorboard), Pflege (Pflege-↔-Hausarzt) und Neonatologie trägt.

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